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Sonntag, den 19. Februar 2012 um 13:43 Uhr

Truppe mit Charakter

Autor  Georgios Tsapanos
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Die Bundesliga-Damen erzwingen gegen den Tabellenvierten und Erstligaabsteiger SG BBM Bietigheim in der Schlussminute ein 23:23 (10:13) Unentschieden und gewinnen im Abstiegskampf einen Punkt

Bietigheims Trainer Christian Hungerecker wertete das Remis im Nachhinein zwar als verlorenen Punkt, vom Ausgang überrascht schien er aber nicht wirklich: „Ich weiß wie schwierig es ist in Altlandsberg zu gewinnen. Das habe ich auch meiner Mannschaft immer wieder eingebläut. Aber manchmal redet man halt gegen den Wind.“ Hungerecker ist ein relativ regelmäßiger Gast in der Erlengrundhalle. Zu Regionalligazeiten mit dem TSV Owschlag, nun mit Bietigheim. Gewonnen hat er in der Erle noch nie.

Zumindest nicht zu verlieren, vielleicht sogar zu gewinnen, dass hatten sich die Schützlinge von MTV-Coach Helmut „Enno“ Röder fest vorgenommen. Die Sache ging auch vielversprechend los. Trotz Bietigheimer Anwurf war es der MTV, der durch Franziska Chmurski mit 1:0 in Führung ging und sich diese in der 9. durch Sophie Lütkes Treffer zum 4:3 zurückeroberte. So weit, so hoffnungsfroh.

Gleich darauf setzte es für die Grün-Weißen aber serienweise Nackenschläge. Unzureichend vorbereitete oder zur Unzeit abgeschlossene eigene Angriffe mündeten immer wieder in Bietigheimer Konter. Aus der 4:3 wurde ein 4:6 Rückstand. Eine Zwei-Minuten-Strafe für Sylvia Kalina brachte die Altlandsberger Ordnung endgültig ins Wanken. Vier weitere Bietigheimer Treffer in Folge später stand es in der 19. Minute schon 4:10 gegen den MTV. Und hätte Stefanie Neumann im Altlandsberger Tor in dieser Phase höchster Bedrängnis nicht so herausragend gehalten, wäre es aus Sicht der Gastgeber noch schlimmer gekommen. Kein Wunder, dass Helmut Röder zur Grünen Karte griff.

Was folgte war eine beherzte Altlandsberger Aufholjagd gegen ein Team, das mit ehemaligen Erstligaspielerinnen nur so gespickt ist und nicht zufällig auf Rang vier der Tabelle steht. Wer eine Ahnung vom Selbstvertrauen der Spielerinnen aus dem Süden der Republik bekommen will, muss nur einen Blick auf die dynamische 4-1-Abwehr werfen, mit der sie dem Gegner in Unterzahl entgegentreten. „Ich kann mich bei meiner Mannschaft nur für dieses beherzte, leidenschaftliche Spiel bedanken“, lobte Röder deshalb in Nachhinein mit Recht und auch rechtschaffen bewegt. „Sie haben Charakter und Kampfgeist gezeigt, gegen einen Gegner, der uns im Hinspiel noch regelrecht überrannt hatte.“

Bis zur Pause holten die Altlandsbergerinnen drei der sechs Tore Rückstand auf (10:13). Bietigheim konnte sich in der Folge nun seinerseits bei seiner Torhüterin Anja Friedrich bedanken, die reihenweise Würfe Manja Bergers aus der zweiten Reihe ebenso parierte, wie vermeintlich hundertfünfzigprozentige Sophie Lütkes vom Kreis. Bis zur 58. Minute kam der MTV einfach nicht näher ran, Bietigheim aber auch nicht weiter weg; denen nach der 44. Minute kein Feldtor mehr gelang. Zweieinhalb Minuten vor Schluss stand es 20:23 für die Gäste.

Wer die Partie zwei Minuten Schluss verloren gegeben haben sollte, hatte voreilig gehandelt und nicht mit der Leidenschaft der Altlandsberger Truppe gerechnet. Noch in der 58. Fand ein fulminanter Wurf Manja Bergers den Weg ins Netz. Es stand 21:23. Helmut Röder beorderte sein Team in die offene Manndeckung. Und tatsächlich zwang dieses „Pressing“ Bietigheim zu den erhofften Fehlern. Nicht nur ein-, sondern zweimal. Binnen 60 Sekunden, den, den letzten des Spiels. Beide Male war es Sophie Lütke, die Herz und Ball in die Hand nahm, nach vorn stürmte – und traf. Beim ersten Tor stand auf der Uhr 59:11, beim zweiten 59:33 zu lesen. Und Bietigheim verlor in dieser wirklich dramatischen Schlussminute sogar noch ein weiteres Mal den Ball. Aber die verbleibenden sechs Sekunden reichten nicht mehr für einen weiteren Treffer. Vielleicht wäre das ja auch zu viel des Guten gewesen.

Beim letzten Unentschieden hatte in der Erlengrundhalle mit dem Abpfiff ungläubiges Schweigen geherrscht. Bei dem gegen Bietigheim gab es nur noch taumelnde Freude!

 
MTV:

Stefanie Neumann (Tor), Nele Kurzke (Tor), Manja Berger 5, Franziska Chmurski 1, Jennyfer Franke, Mandy Gramattke 1, Sylvia Kalina, Svenja Lorenz 1, Sophie Lütke 5, Romy Schöner 1, Nadin Schwarz, Juliane Wittkopf 7/2, Stefanie Zarse 2.

Bearbeitet am Sonntag, den 19. Februar 2012 um 13:53 Uhr
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1 Kommentar

  • Comment Link Montag, den 20. Februar 2012 um 12:31 Uhr posted by Klaus-Jürgen Jahn

    Herzlichen Glückwunsch,

    von eurem Präsidenten aus dem Urlaub an Mannschaft, Trainer und Betreuer zum "gefühlten" Sieg.

    mit sportlichen Grüßen

    Klaus-Jürgen Jahn

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