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Montag, den 05. Dezember 2011 um 15:29 Uhr

In Rixdorf war Musike – da tanzte auch die Rieke

Autor  Jürgen Sellert
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Sophie "Rieke" Lütke kontert wieder mal die Neuköllnerinnen aus. Links ist Dominic Wielsch mitgelaufen. Sophie "Rieke" Lütke kontert wieder mal die Neuköllnerinnen aus. Links ist Dominic Wielsch mitgelaufen. Foto: Jürgen Sellert
Los geht`s! Hier das aktuellste Werk in der journalistischen Königsdisziplin. Also, dem Verfassen von MTV-Handball-Berichten...

Haben Sie die feine Selbstironie bemerkt? Natürlich haben Sie. Als ständiger Rezipient dieser Internet-Seite gehören Sie schließlich zum Bildungsbürgertum unseres schönen Landes.

Wie üblich, zunächst die knallharten Fakten. Die Frauen des MTV II haben ihr Spiel in der Oberliga Ostsee-Spree bei der HSG Neukölln mit 22:17 (12:7) gewonnen. Das ist auch gut so. 12:8 Punkte und Tabellenplatz 5 sind schließlich schöner als das Abrutschen in den Keller.

Ein Kracher war dieser Sieg über den Aufsteiger allerdings nicht. Das war bei, zugegebenermaßen, komplizierten Bedingungen (sehr glatter Hallenboden, Kleberverbot) eher eine Vorstellung der Marke Rumpel-Handball. Auf MTV-Seite stellte sich das zumindest in den ersten 10 Minuten beider Halbzeiten so dar. Als Beleg könnte schon der 1:0-Treffer des Spiels zählen. Der fiel erst nach 4 Minuten und 16 Sekunden für die Altlandsbergerinnen. Auf höchst kuriose Art und Weise. Eine Konter-Vorlage von Torhüterin Kathrin Wiehle, die wohl an die Adresse von Linksaußen Anne Ruhmland gehen sollte, rauschte an Freund und Gegner – auch an Neuköllns Keeperin Ulrike Keller – vorbei in die Kiste.

Damit ist schon viel gesagt. Man könnte nun noch die Aufstellung dran bammeln und den Deckel zumachen. Aber das ist bekanntlich nicht unsere Art. Wir sind unserer treuen Leserschaft mehr schuldig. Um diesen Bericht also noch etwas aufzumotzen, habe ich ganz tief im Hinterstübchen gekramt und in der Rumpelkammer das gefunden:

In Rixdorf ist Musike,
Da tanz ick mit der Rieke
In Rixdorf bei Berlin...


Welch schöner, alter Gassenhauer. Einst unvergleichlich von Willi Rose interpretiert. Kann man prima mitsingen. Wenn man den Text und die Melodie kennt, versteht sich. Ansonsten hilft, wie so oft, googeln...

Was das alles mit unserem Spiel zu tun hat?

Nun gut, Rixdorf war der Ursprung des heutigen Berliner Bezirks Neukölln. Kann man also gelten lassen. Musike & Rieke gab es am Sonntag leibhaftig in der Sporthalle am Buschrosensteig. Musike machte Thomas Lorenz, Papa unserer Bundesliga-Spielerin Svenja Lorenz, mit seinem Schlagzeug. Schön laut jedenfalls! „Ich wohne ja gleich um die Ecke. Das macht mir doch Spaß“, so der Thomas. Manch einer mag Krach aber nur in homöopathischen Dosen. Also brachte sich der Schöneberger MTV-Sympathisant Wolfgang B., der die Lorenz-Beschallung von vor zwei Jahren kannte, wunderschöne blaue Ohrenschützer mit. Solche, wie sie die Bauarbeiter mit Presslufthämmern benutzen. Spielvorbereitung ist halt alles...

Zur Hauptdarstellerin Rieke. So wird Sophie Lütke (21 Jahre) in ihrem MTV-Bundesliga-Team nur genannt. Diesmal half die etatmäßige Linksaußen in der Zweiten aus. Die kleine Blonde ersetzte die kleine Schwarze. Sophia Fricke, die sonstige Vortänzerin des MTV II (Spielmacherin und Torjägerin), konnte nicht schwofen. Wegen ihrer schweren Bänderdehnung am Fußgelenk musste sie das Geschehen genauso von der Tribüne verfolgen, wie die gesundheitlich angeschlagenen Vera Wuntke und Doreen Grothe.

Aber dafür tanzte ja Rieke die Gegnerinnen aus. In der neunten Minute kam sie auf die Platte. Zur 6:5-Führung (16. Minute) traf sie dann erstmals. „Rieke war vor dem Spiel ziemlich aufgeregt“, verriet ihre Freundin und Bundesliga-Kollegin Sylvia Kalina. „Sie wollte ja ohne ein einziges Training mit der Mannschaft nichts falsch machen.“ Nach kurzer Eingewöhnungszeit klappte alles prima. Rieke führte Regie, warf sieben Feldtore (Konter, Sprungwürfe) und verwandelte zwei Siebenmeter. Prima Job gemacht.

„Sie hat uns sehr geholfen“, freute sich Trainerin Eveline Sellert. „Ich habe Rieke gesagt: Du kannst dir heute den Frust vom verlorenen Wismar-Spiel wegschießen. Das hat doch geklappt, und das hilft ihr vielleicht auch für die wichtige Partie am kommenden Sonnabend in Zwickau etwas.“

Aber dieser 22:17-Sieg war natürlich keine Ein-Frau-Show der Sophia Lütke. Kathrin „Schulle“ Wiehle war, sieht man mal von ein paar Gurkenpässen bei schnellen Angriffen ab, wieder ein sicherer Rückhalt. Anne Ruhmland spielte und kämpfte trotz Fingerproblemen (wir berichteten) wie gewohnt. Julia Lemke schoss sich nach einigen vergeblichen Zielversuchen ein, was diesmal nicht allen gelang. So wurden auch die Dissonanzen ausgehalten, als die routinierten HSG-Damen nach 39 Minuten auf 13:11 und dann auf 14:12 herankamen. Aber nach einem Zwischenspurt zum 20:13 war alles wieder entspannter, leider nicht konsequenter. Der Sieg hätte höher ausfallen müssen.

Loben wollte Evi Sellert ausdrücklich noch Dominic Wielsch: „Sie spielte trotz der angeschlagenen Psyche vor allem in der Deckung sehr stark, ackerte ja wieder 60 Minuten durch. Mit wem Domi innen auch verteidigte – das klappte gut. Nur 17 Gegentore, das ist okay.“ Dabei war der 19-Jährigen alles andere als nach Handball zumute. Weil vor ein paar Tagen Domis geliebter Opa verstarb. Doch die hoch talentierte Kreisläuferin kämpfte tapfer. Unmittelbar nach dem Abpfiff kullerten dann aber dicke Tränen. Domi wurde von Kathrin Wiehles Armen aufgefangen. Der Trost vom Team-Kapitän tat so gut.

Und, Domi, auch wenn es Dir Dein Opa nicht mehr sagen kann: Er ist sehr stolz auf Dich. Egal wie oder wo...

MTV II mit: Kathrin Wiehle 1, Juliane Schlein (n. e.); Tina Jandke, Sandra Mettcher 1, Julia Lemke 5/3, Marie Eulert, Dominic Wielsch 2, Anne Ruhmland 3; Sophie Lütke 9/2, Alexandra Armenat, Angela Greulich, Jana Szczech 1.

Bearbeitet am Donnerstag, den 08. Dezember 2011 um 14:03 Uhr

6 Kommentare

  • Comment Link Dienstag, den 06. Dezember 2011 um 16:27 Uhr posted by _Handballer_

    Jedem Berichterstatter ist es selbst überlassen, was er in seinem Bericht erwähnt. Deshalb, lieber Rudie, lasse dem jungen Herr Sellert seine eigene Sichtweise der Dinge, denn das gehört zum Berichterstatten hinzu.

  • Comment Link Dienstag, den 06. Dezember 2011 um 10:52 Uhr posted by Rudie

    Lieber Jürgen Sellert, ich wollt keinesfalls ihre Fähigkeiten als objektiver Berichterstatter in Frage stellen. Ich finde die "Altlandsberger Seite" ist wirklich eine der Besten, was vor allem an ihrer tollen Berichterstattung liegt.
    Trotzdem finde ich hätte man erwähnen könne, dass Altlandsberg ohne die Unterstützung aus der "Ersten" , wie es der Name schon sagt ziemlich "Alt" ausgesehen hätte.

  • Comment Link Montag, den 05. Dezember 2011 um 23:35 Uhr posted by Der Dicke

    Ach Jürgen,es wird immer Leser geben die Deinen Bericht nicht verstehen und dann wie kleine Kinder darauf reagieren. Ich lese sie immer wieder gerne,weil ich weiß das du Dich über den Gegner informierst,immer korrekt schreibst und nie eine andere Mannschaft schlecht machst ! Wenn die Vereine auf ihren Internetseiten nicht auf dem laufenden sind,kannst Du ja nichts dafür. Also mach weiter so und ich freue mich schon auf den nächsten Vorbericht !!!

  • Comment Link Montag, den 05. Dezember 2011 um 19:10 Uhr posted by Jürgen Sellert

    Lieber Rudie,
    das mit dem Namen der HSG-Torhüterin bitte ich zu entschuldigen. Wird umgehend korrigiert. Ansonsten habe ich versucht, in der Vorschau meinen Respekt vor der Neuköllner Mannschaft zu vermitteln. Scheint leider auch nicht gelungen zu sein. Auch, dass es immer wieder mal Besetzungsprobleme gibt, habe ich geschrieben. Über den aktuellen Stand der Dinge war ich allerdings nicht informiert. Auf der Internetseite des Vereins habe ich dazu nichts gefunden. Vielleicht habe ich auch nicht richtig gesucht. Sorry!
    Was soll ich dazu sagen, dass der MTV eine 1. Mannschaft hat, die höherklassig spielt. Dafür muss man sich aber nicht entschuldigen. Oder? Es war in dieser Saison übrigens das erste Mal, dass wir mit Verstärkung von oben gespielt haben. Bisher hat die Zweite der Ersten geholfen. So soll es ja auch eigentlich sein. Diesmal war es etwas Pech für Neukölln. Ansonsten danke im Namen der Mannschaft für die Glückwünsche.

    P.S.
    Hi Ronny, Dir auch herzlichen Dank für die netten Worte. Aber noch 20 Jahre möchte ich nun wirklich niemandem zumuten. Schon gar nicht unseren Lesern, die es mit den anderen Mannschaften halten. Du siehst ja, es klappt schon jetzt nicht mehr richtig...

  • Comment Link Montag, den 05. Dezember 2011 um 17:45 Uhr posted by Rudie

    ..leider haben die Neuköllnerinnen keine Bundesligaspielerinnen, die bei Krankheit ect. einspringen und eine Ein-Frau Show abliefern können. Vielleicht sollte man dem Bericht auch hinzufügen, dass 4 Stammspielerinnen auf Neuköllner Seite fehlten, die nicht durch Spielerinnen aus der Bundesliga sondern durch Landesligaspielerinnen ersetzt wurden.
    Und Neuköllns Torfrau heisst Keller nicht Heller! Trotzdem Glückwunsch zum Sieg!

  • Comment Link Montag, den 05. Dezember 2011 um 17:24 Uhr posted by Der Dicke

    Jürgen,wieder einmal ein ganz toller Bericht ! Ich hoffe Du schreibst noch die Nächsten 20 Jahre für uns...

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