Die Ersten Herren des MTV 1860 Altladsberg deklassieren den Tabellendritten der Brandenburgliga SV Lok Rangsdorf mit 35:22 (17:11) Toren
„Das ist die spielerisch beste MTV-Herrenmannschaft die jemals auf der Platte stand“, befand André Witkowski nach dem Abpfiff des – aus Altlandsberger Sicht – teilweise berauschenden Spitzenspiels des Tabellenzweiten gegen den Tabellendritten der Brandenburgliga, MTV 1860 Altlandsberg und SV Lok Rangsdorf. Nun könnte man meinen, was soll der Vereinsvorsitzende und Handball-Abteilungsleiter des MTV auch anderes sagen. Aber einerseits ist Witkowski als Spieler, Trainer und offizieller des Teams lange genug dabei, um sich ein solches Urteil erlauben zu können. Zweitens verfügt er bei aller Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit für die eigenen Teams über genügend handballerischen Sachverstand, um dies zu beurteilen. Und drittens wird ihm wohl niemand in der vollbesetzten Erlengrundhalle – vielleicht sogar das gegnerische Team inklusive – widersprechen wollen.
Die Fans bedurften jedenfalls keiner freundlichen Aufforderung des Hallensprechers, um sich lange vor Ablauf der zweiten dreißig Minuten kollektiv von den Plätzen zu erheben, um ihr MTV-Team frenetisch zu feiern. Die Mannschaft wiederum bedankte sich auf ihre Weise: mit einem Schlusstreffer, der als mit Abstand sehenswertestes Tor einer an sehenswerten Toren sowieso schon reichen Partie in Erinnerung bleiben dürfte. Robert Klatt bekommt ganz links außen, kurz vor der Torauslinie den Ball, passt blitzschnell in Richtung Kreismitte wo Felix Erdmann bereits über dem Kreis stehend den Ball fängt und diesen, anstatt selbst ein lupenreines Kempator zu erzielen, nach rechts außen weiterleitet, wo nun seinerseits Simon Kapa die Sache mit dem Kempa perfekt macht. Für solche Szenen ist die Zeitlupe erfunden worden.
Man kann vor Erdmanns Instinkt, Simon Kapa nochmals in Szene zu setzen, nur den Hut ziehen. Der MTV-Neuzugang, der vom Polizei SV Berlin den Weg nach Altlandsberg gefunden hat, legte einen Einstieg vom Feinsten hin. Vier Minuten und 38 Sekunden dauerte es, ehe er mit dem 3:0 für die Gastgeber seinen allerersten offiziellen MTV-Treffer markierte. In den folgenden 55 Minuten sollten weitere elf folgen. Einer schöner als der andere, athletisch erzielt, technisch perfekt, zum Niederknien einfallsreich.
So groß war die allgemeine berechtigte Begeisterung über dieses Debüt in grün-weiß, dass MTV-Coach Ferenc Remes sich verpflichtet fühlte auch an Kapas Qualitäten als Vorbereiter zu erinnern. „Er hat nicht nur den eigenen Erfolg im Auge, sondern immer auch den besser postierten Mitspieler. Und in der Regel sind seine Abgaben dann unorthodox und für die gegnerische Abwehr kaum auszurechnen.“ Was man beispielsweise an Kapas Zusammenspiel mit Sven Haase miterleben konnte, mit abschließendem Zuspiel hinter dem eigenen Rücken – im Fußball würde man das Doppelpass nennen – das Haase souverän zum Altlandsberger 11:8 verwandelte.
Und das war dann vielleicht sogar das allerschönste an diesem Spiel: Es war bei weitem keine Simon-Kapa-One-Man-Show. Auch Arian Thümmler, zweiter Altlandsberger PSV-Neuzugang, setzte spielerische Akzente und war selbst vier Mal erfolgreich. Sascha Fink wirbelte unwiderstehlich am Kreis, war auch in den unmöglichsten Lagen stets anspielbar und markierte seinerseits acht eigene Treffer. Und last but not least agierte hinter einer von Robert Klatt durchgehend hervorragend organisierten Abwehr ein noch blendender aufgelegter Daniel Braun im Altlandsberger Kasten, der alles hielt, was auch nur ansatzweise haltbar war.
Wirklich perfekt wurde die samstägliche Altlandsberger Gala aber durch den Umstand, dass Rangsdorf dabei alles andere als tatenlos zusah. Die anfängliche MTV 3:0 Führug egalisierten die Gäste bis zur neunten Minute. In der 17. Minute ging Rangsdorf erstmals selbst mit 7:6, dann nochmals mit 8:7 in Führung. Die letzten zehn Spielminuten gingen nicht nur rechnerisch mit 8:6 an die Lokomotive, zwischen der 50. und 53. Minute nutzte Rangsdorf eine vorrübergehende Chaosphase der Gastgeber, um selbst fünf Gegentreffer in Folge zu landen. Mehr war für den SV an diesem Abend aber einfach nicht drin. Die am Ende ein wenig deklassierende 22:35 Niederlage ging auch in dieser Höhe vollkommen in Ordnung.
„Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen“, gab Ferenc Remes nach dem Spiel zu. „Ich hatte wirklich Sorge, dass die Sache heute ähnlich eng und quälend werden könnte, wie vor 2 Wochen. Meine Mannschaft hat mir nachhaltig gezeigt, dass diese Sorge vollkommen unbegründet war. Ich kann den Jungs nur danken und den Hut vor ihrer Leistung ziehen.“ Trainer und Team – und das ist das Team, bei dem zum Beispiel Jakob Berger, Tom Winter und Dominic Witkowski verletzungsbedingt nicht mal mitmachen konnten – ist nur zu wünschen, dass sie diesen Lauf über das Viertelfinal-Pokalspiel am nächsten Sonntag gegen die Zweite des 1. VfL Potsdam bewahren können. Ferenc Remes ist da zuversichtlich: „Potsdam kann jetzt kommen!“
MTV:
Daniel Braun (Tor), Christian Szameit (Tor), Felix Erdmann 3, Sascha Fink 8, Lucien Fischer 1, Paul Gronwald 1, Sven Haase 3, Simon Kapa 12/4, Robert Klatt 2, Stefan Kurth, Jonas Neldner 1, Tim Sandig, Arian Thümmler 4.
Fotos zum Spiel:
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Bearbeitet am Dienstag, den 14. Februar 2012 um 20:22 Uhr
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1. Männer - Brandenburgliga - Handball
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